Im Lande des Halbmonds

🕐 22. Juni 2016Eregli, Türkei ☀
Istanbul ist eine Stadt mit viel Geschichte. Gegründet als Handelsdorf, stieg Byzanz bis zur Hauptstadt des oströmischen Reiches Konstantinopel auf und ist noch heute der Grenzpunkt zwischen Asien und Europa. Deswegen haben wir das Gebiet rund um den Bosporus auch ein bisschen besichtigt.
Die vielen Moscheen, allen voran die Hagia Sofia, welche annähernd tausend Jahre lang die größte Kathedrale der Welt gewesen ist, zeichnet mit vielen restaurierten Burgen und Mauern ein schillerndes Bild der Millionenstadt. Auf der anderen Seite erheben hunderte Wolkenkratzer einen Anspruch auf die Moderne.
Menschen aus ganz Europa und Asien finden sich in der Stadt, sei es als Touristen oder als Studenten.

Wir erreichten das Zentrum Istanbuls est spät am Abend. Bereits 100km vor dem Zentrum beginnen bereits endlose Häuserwüsten - Hier ist wirklich jeder Millimeter bebaut.
Wir suchen schnell im Internet nach einer Bleibe und fanden die schäbigste Absteige unserer Reise. Der Besitzer wollte uns gleich für mehrere Nächte einbuchen, aber wir entschieden am nächsten morgen etwas besseres zu suchen, nach den letzten Tagen wollten wir uns mal wieder etwas gönnen!

Als wir nun in dieses schöne, wenn auch nicht ganz billige Hostel umgezogen waren, konnten wir in Ruhe den großen Park in der Nähe besichtigen. Wir überquerten anderntags den Meeresarm, um auch die Touristenviertel in der Nähe des Taksimplatzes einmal gesehen zu haben. Es sind lange Strassen und Gassen, am Hang gelegen, die Dank der etagenreichen Bauten überall auch Schatten spendeten.
Nichtsdestotrotz war es heiss und David konnte zum erstenmal im Ausland als Strassenmusiker Erfahrung sammeln gehen. Nach dreimaligen Platzwechsel und dauerhaftem getrollt-werden durch kleine Kinder verdienten wir uns damit ganze 0,50€ in einer Stunde. Vermutlich hat ein bekannter Musiker diese Erfahrung auch schon gemacht und daraufhin beschlossen, mit dem richtigen Namen und einem Stylewechsel richtig abzucashen! Vielleicht sollte man über eine Strassenmusiker Gewerkschaft nachdenken :D
Ernüchtert gönnten wir uns einen Fallafel.

Den Tag darauf verbrachten wir damit, diesen wunderschönen Blog zu vervollständigen und uns im Supermarkt mit reichlich Essen einzudecken. Da es jeden Tag Frühstück im Hostel gab und wir die Vorräte von 3 Wochen in ebendiesen 3 Tagen vertilgten, konnten wir uns über Hunger nicht beschweren.
Nun ja! Als wir nach 4 Nächten ausgeruht genug gewesen sind fuhren wir aus Istanbul wieder heraus. Wir nahmen zunächst die Fähre, da einen diese spottbillig bis ans andere Ufer schipperte und stiegen dort in den Bus, um an einer geeigneten Stelle zum Trampen, etwa 50km vom Zentrum entfernt zu gelangen. Wie nun erwähnt stiegen wir viel zu früh aus und nahmen dann auch noch den falschen Bus.... doch seht selbst...


Unverhofft kommt... oft!



Und ein reichhaltiges Morgenbuffet mit Pfannkuchen und Tahini gab es zudem auch noch :)
Aus Zonguldak benötigten wir leider 5 Stunden bis runter zur grossen Autobahn nach Ankara. Zwischenzeitlich wurden wir von einem grossen Transporter mitgenommen, in dem der Fahrer, ein älterer Herr Deutsch sprach, da er viele Jahre in Deutschland gelebt hat. Freundlich lud er uns noch zum Mittagessen ein. Davor wurden wir bereits zum Eis eingeladen. Als wir nun endlich an der richtigen Strasse standen, fuhr uns noch ein netter Mann bis an eine Autobahn Parkstelle.
Da es bereits dunkel wurde, erspähten wir uns bereits einen Zeltplatz. Kurz bevor wir uns aufmachen wollten, hielt jedoch ein dicker Truck und sammelte uns auf. Endlich wieder mal Truckfahren! Der Fahrer war armenischer Herkunft und hatte einen Bruder, der ein Buch über den 1915 an den Armeniern verübten Genozid geschrieben hatte. So schmökerten wir ein Weilchen und telefonierten nebenher noch mit seinen Familienmitgliedern in Istanbul, Kurdistan und Deutschland. Ein Cousin hat wohl ein gutes Restaurant in Pforzheim....hmm lecker :P
Jedenfalls fuhr der arme Mann, aus Gastfreundschaftlichkeit gezwungen, bis tief in die Nacht hinein und viel länger, als eigentlich erlaubt, um uns an einem Motel und Lastwagenparkplatz heraus zu lassen, welcher an der Autobahn Richtung Samsun lag. Natürlich zogen wir es vor, uns nahe ein paar verlassener Häuser in die Büsche zu schlagen.
Am nächsten Morgen standen wir schlaftrunken auf, um uns zur Autobahn zurück zu begeben. Irgendetwas hatte Till ins Ohr gebissen, welches in den folgenden Tagen stark rötete und anschwoll.
Glücklicherweise nahm uns sehr schnell ein LKW Fahrer bis nach Samsun mit - zunächst wollte er uns weiter fahren, nachdem wir jedoch eiskalt in seinem Truck eingepennt waren, schmiss er uns bereits nach 100 km in Samsun raus.
Das nächste Gefährt war abermals ein LkW, der jedoch leider nur mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 50km/h fuhr, da er alt und klapprig war und der fromme Fahrer an einigen Moscheen Halt machte. So oderso, wir führen bis nach Trabzon, das wir am späten Abend erreichten.

Hier gingen wir eilig in ein Restaurant, da wir den ganzen Tag über gar nichts gegessen hatten, es war immer noch Ramadan und wir wollten unserem Fahrer nicht respektlos erscheinen. Das Abendessen kostete quasi unser ganzes Geld :(
Dafür sprachen nette Einheimische mit uns, welche teilweise sogar sehr gut deutsch sprachen, da sie zeitweilig in Deutschland gewohnt hatten. Leider lud uns keiner ein und wir mussten uns mühevoll nach einer anderen Schlafgelegenheit umsehen - billige Hostels gab es hier nicht.
Da Trabzon eine reine Touristenstadt war - wie alle anderen türkischen Städte am schwarzen Meer, die sich wie die Sardinen aneinanderreihten - liefen wir ein ganzes Stückchen, bis wir am Ende komplett durchgeschwitzt einen hohen Berg zur Hälfte erklommen hatten. Abseits der Strasse gab es einen kleinen Hain, in dem es vor Glühwürmchen nur so wimmelte. Trotz des Hangs fanden wir ein gemütliches, ebenes Plätzchen zum pennen. Tags darauf futterten wir erstmal ein paar Brote mit schnell hergerichtetem Tomatensalat. Nachdem wir eine Weile unnötig an der Straße standen, gingen wir ein Stückchen weiter, an dem uns ein paar nette Ladys in Ihr Auto quetschten.
Wieder warteten wir an der Autobahn eine ganze Weile, bis es nachmittags war und wir beschlossen, die Stadt zu Fuß zu durchqueren.. Das Laufen hatte uns über eine Stunde gekostet! Nun jedoch kam ein Lift nach dem Anderen.! Wir kamen auf 8 Lifts, von denen uns jeder nicht sehr weit fuhr, der letzte jedoch lud uns an der Grenze zu Georgien ab.
Wir passierten schnell die Grenze, welche total überlaufen und zeitweilig sogar stillgelegt war, und stellten uns an die Strasse. Nach nur einigen Minuten und etwa 5 Taxifahrern inkognito, fuhr uns ein junger Mann namens Nika bis zur nächsten Stadt Batumi.
Zum ersten Mal lernten wir den georgischen Fahrstil kennen: Vorwärts, ohne Rücksicht auf Verluste. An einer normalbreiten Strasse kann man ja schliesslich überholen.
Eine Kurve? Kein Problem!
Gegenverkehr? Wird schon ausweichen!
Jemand anderes überholt bereits? Der ist eh zu langsam und wird gleich mit überholt!
Und damit die Sache ohne Risiken läuft wird sich alle 3 min bekreuzigt!
Kaum waren wir dann jedoch in Batumi, kehrten wir erst einmal ins nächste Lokal ein und genossen ein kühles Bierchen. In einer Absteige fanden wir nun auch eine gute Gelegenheit, die Nacht zu verbringen.

Am nächsten Tag liefen wir durch die Stadt und wurden gleich 10km bis in die nächste Stadt mitgenommen. Dort genehmigten wir uns ersteinmal ein gutes Frühstück mit Milch und chillten an der Bushalde.
Kaum dass wir fertig waren, fährt ein uns wohlbekannter Mercedes an den Straßenrand und ein freundliches Gesicht blickt uns an. Wieder Nika. Grinsend begrüßen wir Ihn und stiegen ein. Er fuhr uns bestimmt 40km. Von hier fuhren wir mit 3 weiteren Lifts, einmal mit ein paar richtig breiten Berufsrugbyspielern, bis uns ein schweigsamer Mann fast den ganzen Weg nach Tiflis mitnahm. Kurz davor musste er eine andere Autobahn fahren und liess uns an einer Tankstelle raus. Schnell fanden wir noch ein paar Fussballspieler welche uns mitten in Tiflis absetzten. Von dort buchten wir eine Nacht in Makas Hostel und nahmen die Metro dorthin.
Welche Abenteuer uns dort in voller Angriffsstärke erwartete, lest ihr im kommenden Artikel.