Makkas Virenbude

🕐 5. Juli 2016Tiflis, Georgien ☀
Makkas Gasthaus in Tiflis war eigentlich die Wohnung ihrer Eltern, die mittlerweile ein stattliches Alter erreicht hatten. Es gab ein paar kleine Zimmer, unseres war tatsächlich ohne Fenster ausgestattet. Dafür war die Küche in gutem Zustand, die wir auch eifrig nutzen.
Den ersten Tag verbrachten wir damit, zu recherchieren, wie man ein Visum für den Iran bekommen kann. Wir fanden schließlich heraus, dass dafür ein Einladungsschreiben des MFA (Ministry of Foreign Affairs) nötig ist. Dieses ist allerdings nur durch iranische Reiseagenturen zu bekommen. Wir füllten also das Formular von Touran Zamin online aus und nun hieß es warten... und ein wenig ärgern, denn in Trabzon und Batumi, beides Städte, die wir auf unserem Weg nach Tiflis passierten, hätten wir unserer Visum innerhalb eines Tages bekommen können - später trafen wir aber auf deutsche Radler, die drei Wochen in Trabzon auf ihr Visum gewartet haben.
Im Hostel logierten ein paar andere Gäste, aber ständig war auch die Küche von Makkas halber Familie gefüllt, dazu auch oft deren Freunde... und deren einzige Beschäftigung war es, fern zu sehen und dabei Unmengen an Zigaretten zu rauchen. Makkas Mann Georgi hustete was das Zeug hält, allerdings hielt ihn das nicht von seinen Kippen fern.

Wir dachten uns nichts dabei und machten uns am nächsten Tag auf, die Stadt zu erkunden. In Tiflis sind sehr viele moderne Gebäude entlang des Flusses zu finden. Dort fand Till auch eine Statue, mit der er sich prächtig unterhalten konnte.
Wir stiften mal wieder einen Berg hinauf, um zum botanischen Garten zu kommen, fanden aber stattdessen eine alte Festungsanlage vor, die genauere Inspektion von uns verlangte. Hoch über den Dächern der Stadt standen die halb verfallenen Mauern direkt am Hang, kein Geländer hinderte uns vor dem Sturz in den sicheren Tod, doch tapfer erklommen wir die Mauern und wurden mit einem gigantischen Ausblick belohnt.


Über den Dächern von Tiflis

Auf dem Weg durch die Stadt passierten wir auch das Kiwi-Cafe, ein tolles veganes, alternatives Cafe, was auf Non-Profit Basis operierte. Dort orderten wir zwei Burger mit Pommes und dazu eine echt leckere hausgemachte Limonade, welche wir mit Genuss verspeisten. Wir nahmen uns fest vor, am nächsten Tag wieder bei den Kiwis einzukehren, doch dazu sollte es nicht kommen...

...denn Tills Immunsystem zeigte sich Georgis Hustenwellen nicht gewachsen. Es stellte sich heraus, dass der Mann unserer Gastgeberin das ganze Hostel mit aggressiven Viren einnebelte, denen bereits ein paar Gäste zum Opfer gefallen waren. So war nun auch Till am husten und schnupfen und zwei Tage später erwischte es auch David.
Wir sahen ein, dass wir uns ein paar Tage ins Bett legen mussten und kochten uns einen riesigen Topf Gesundheits-Gemüsebrühe. Doch kaum hatten wir die erste Portion gegessen, kam Makka und meinte, dass das Hostel die nächsten Tage ausgebucht sei und brachte uns in Georgis Wohnung - natürlich ohne Suppe. David lag mittlerweile völlig flach und so verbrachten wir die nächsten zwei Tage im Bett. Als Makka uns fröhlich mitteilte, dass im Hostel wieder Platz sei und alle wieder rübergehen würden, ergriffenen wir die Flucht! In unserem Zustand war eine verrauchte Wohnung nichts, was wir ertragen konnten.

Wir packten also unsere Sachen und fuhren mit der Metro zu einem anderen Hostel am Rande der Stadt. Dieses war perfekt zum auskurieren: kein Lärm, kein Rauch!

Wir buchten uns Georgi dem Eigentümer (nicht Makkas Georgi) für zwei Nächte ein. Aufgrund unseres Zustands verlängerten wir dort aber ein ums andere Mal und nach einer knappen Woche fühlten wir uns endlich fitt genug, wieder loszuziehen. Wir hatten mittlerweile auch die Nachricht bekommen, dass wir unser Iran Visum in Yerevan abholen können.


Road Songs #3: Bury me beneath the willow

Wir nahmen also den Bus aus der Stadt heraus und kurze Zeit später saßen wir in einem Auto. Plötzlich war die gesamte Straße in tiefsten Nebel gehüllt, der aus dem Auspuff eines uns überholenden Autos kam. Aus dem Nebel tauchte schließlich auch ein Radfahrer auf und wenige Kilometer weiter konnte der Verursacher des ganzen Rauchs endgültig nicht mehr weiterfahren.
In der nächsten Stadt hielt das Auto eines Armeniers an, der bis nach Yerevan fuhr. Wir passierten die Grenze und wenige Kilometer später zeigte unser Fahrer auf eine Straße: “Wenn ihr dort 400 Meter weiter geht schießen azerbaijanische Sniper auf euch. Aber ich will, dass euch nichts passiert!“. Und so bogen wir auf eine andere Straße ab.

Ein paar Stunden später kamen wir zum See Sevan, einem gigantischen See in den Bergen mit ca. 70 Kilometer länge. Dort machten wir eine Pause und futterten armenisches Essen, das unser Fahrer zuvor gekauft hatte. Dieser ging daraufhin im See schwimmen, was wir uns aufgrund unseres wackeligen Zustands noch nicht zutrauten.
Zwei Stunden später kamen wir in Yerevan an und unserer Fahrer lud uns abschließend noch auf einen Kaffee zu sich nach Hause ein. Nachdem Till seine Hausente durchgeknuddelt hatte war es bereits sehr spät und dunkel geworden.