Ein Berg mit dem Namen Armenien

🕐 12. Juli 2016Yerevan, Armenien ☀
Nachdem uns der gute Mann bereits mit Kaffee verköstigt und zu einer Sportsbar mit Wifi gefahren hatte, fuhr er uns der Vollständigkeit halber auch gleich noch in unser günstiges Hostel. Umgerechnet 4,50€ pro Nacht und Nase zahlten wir inklusive Frühstück im Andrush^^
Als wir ankamen begrüßten uns zwei halbmotiviert bis mittelgelangweilte Mädchen namens Susi und Andrush (Scheinbar wurde das Hostel von Ihnen und Ihrer Mama geführt). Das Zimmer war zwar ein Durchgangszimmer, welches wir uns mit zwei Chinesen teilten, die von China aus mit dem Fahrrad nach Armenien gefahren waren. Am nächsten Tag waren wir ziemlich platt und gingen direkt am Morgen zur iranischen Botschaft, mit allen nötigen Unterlagen. Es war ein ziemlich langer und heisser Weg durch die Stadt. Irgendwann jedoch erreichten wir die Botschaft, nur um von einer elektronischen Stimme am Tor angequäkt zu werden: "Heute ist ein Feiertag. Bitte verpissen Sie sich und kommen morgen wieder...".
Nun gut. Klapperten wir eben diverse Musikläden ab, um einen Handrekorder für David zu kaufen - leider ohne Erfolg. Anschliessend gingen wir unsere Reisepässe farbig ausdrucken, was in Eriwan schon sehr schwierig zu managen ist. Glücklicherweise hatte es auch in jeder Metro Station freies Wifi, da Tills Handy das Hostel Wifi nicht empfangen konnte.
Wieder im Hostel futterten wir ersteinmal Melone und ruhten uns aus.

Einen Tag später schleppten wir uns abermals in die Botschaft. In einem gemütlichen Warteraum verbrachten wir unsere Wartezeit mit gratis Keksen, Schokolade und Schwarztee. Nun ist es dort so, dass man Nummern zieht, welche einem auf Farsi rausgelassen werden. An den Schaltern stehen jedoch die romanischen Zahlen und so verpassten wir unsere Nummern und mussten abermalig ziehen. Als wir schliesslich an der Reihe waren, drängelten einige Leute und es dauerte ziemlich lang, um mit der Frau am Schalter zu sprechen. Diese erhöhrte unser Ansinnen, nur um uns zu sagen dass unsere Visa nicht da seien und wir am Tag später wieder kommen mögen. Zornerfüllt stopfte sich Till die Taschen mit Schokolade voll und stiefelte an den Wachen vorbei nach draussen.
Nach so einer Aktion muss man erstmal was Essen gehen. Also versorgten wir uns direkt nach Davids Besuch bei der chinesischen Botschaft mit Kartoffeln, Bohnen und Dill und machten uns leckeren Kartoffelbrei mit Bohnensosse. Abends gingen wir in die Stadt, um uns den Park mit dem Genozid Denkmal anzusehen.

Der Park war sehr groß und ziemlich schön. Überall gibt es gratis Trinkwasser, das gekühlt aus Brunnen kommt. An einer erhöhten Stelle, am Ende des Parkes, stand das Denkmal, am Rande einer Ebene. Es waren weisse Mauern, die ein immer brennendes Feuer umgaben welches von Kränzen umringt war. Ein Stück weiter stand ein Spitzer Turm. Ein Stück im Westen erspähten wir eine eigenartige Wolke, welche sich als Berg Ararat entpuppte.
David konnte der Versuchung nicht widerstehen, ein Musikvideo aufzunehmen. Wie immer benötigten wir ca. 15864 takes, bis David entschied dass zumindest einer brauchbar sein könnte :o.


Road Songs #4: Cattle in the cane



Anschließend chillten wir uns ins aeon, ein Kaffee in dem alles umsonst ist, man aber jede Minute Anwesenheit bezahlen muss. Wir gingen fast pleite dabei. Jedoch rechnete er uns ab und wir blieben noch zum Deutschlandspiel gegen Frankreich. Oh Mann, was für eine Pleite...:/
Da es bereits nach 12 war wollten wir uns beeilen zum Hostel zu gelangen. Jedoch war die Metro um diese Zeit ausser Betrieb, weswegen wir den ganzen weg nach Hause wieder latschen mussten. Gegen 2 öffnete uns eine äußerst müde aussehende Andrush die Tür und wir hieben uns in die Koje.

Jeden Tag ruft die iranische Botschaft oder so ähnlich und wir sockten uns dahin. Und tatsächlich wurde unser Effort dieses Mal belohnt.
Wir mussten den Bus nehmen um am Republic Square die Bank aufzusuchen um dort die Visa zu bezahlen, aber der Bus benötigte für 3km eine dreiviertelstunde. Zumindest war er billig. In der Bank angekommen, mussten wir diese verlassen, da selbige keinen Geldautomaten hatte, wir jedoch Geld abheben und umtauschen mussten. Als wir abermals in die Bank schritten, mussten wir mehrere Arbeitsschritte durchlaufen, am Ende waren die Visa aber bezahlt. Mit dem lahmsten Bus der Welt fuhren wir schließlich wieder zurück. Nun mussten wir nur noch das Wochenende über ausharren, um die Visa am Montag abholen zu können.
Da Eriwan nicht viel zu bieten hatte, entschieden wir uns für einen Wochenendtrip in den Nationalpark bei Garni, nur 30km östlich von Eriwan gelegen.

Gesagt, getan. Mit einem echt lahmen Bus fuhren wir bis nach Garni - und dachten wir kommen da gar nie an....- bis wir schließlich ankamen.
Das Dorf Garni stellte sich als ein echtes Provinznest heraus und seine einzige Attraktion war der Tempel. Lustigerweise endete sogar die Einzig gute Strasse im Dorf an der Kreuzung zum Tempel. Frecherweise wollten die Wachen dort 5€ von uns als Eintritt haben. Aba ned mit uns, wir lasse uns ned abziege!!!
Was die Wachen dort verpeilten, war der Trampelpfad, der ein Stückchen seitlich bis zum Tempel führte und so sparten wir uns das Eintrittsgeld. Zudem konnten wir einen Sturm dort ausharren. Als wir uns sattgesehen hatten (kurz zuvor hatten wir gevespert, Wortwitz!) schlichen wir wieder zurück auf den Weg.
Da man eine beeindruckende Aussicht von der Ebene des Tempels auf das Umland und die Ausläufer des Gebirges im Nationalpark hatte, machten wir uns auf den Weg nach unten um einen Platz für das Zelt zu finden. Stattdessen fanden wir einige Sackgassen und verlassene Hütten und - sehr zu Tills Freude - einen Kirschbaum mit gelben Kirschen. Schliesslich entschieden wir uns dazu, in einer verlassenen Hütte auf halber Höhe zum Fluss, mit Blick auf den Canyon zu pennen. Unweit an einer anderen verlassen Hütte gab es ausserdem noch einen funktionierenden Wasserhahn. So verschmausten wir anstrengende Mengen an Brot mit Tomaten und jeder ein leichtes Kilo Kirschen. Daraufhin begaben wir uns zur Nachtruhe. Wir hatten extra ein rostiges Bettgestellt von einer anderen Hütte hergeschleppt. Sehr bequem!

Am Morgen darauf verzogen wir uns für wichtige geschäftliche Angelegenheiten hinter einen Busch in der Nähe des Wasserhahnes.
Überraschenderweise wurden wir direkt nach der Beendigung unserer Angelegenheiten von einem Armenier überrascht, der des Weges daherkam. Er bedeutete uns, ihm zu folgen und wir gingen zu einer direkt über dem Canyon gebauten, verfallenen Villa. Hier baute Arto, der auch ganz passabel deutsch reden konnte, seine Villa für touristische Zwecke aus. Er entzündete ein Feuerchen und kochte starken, armenischen Kaffee für uns auf. Er empfahl uns einen schönen Weg entlang des Flusses und wir brachen auf. Kaum, dass wir unten waren, bemerkten wir dass unser Fotoapparat kaputt gegangen war. Darum haben wir von diesem Tag leider keine Fotos :(

Jedenfalls ging unser Weg genau zwischen dem Fluss und dem Canyon entlang. Der Canyon sah sehr beeindruckend aus, es war, als würde der ganze Berg aus eckigen Säulen bestehen. Hin und wieder brach auch etwas herunter.
Nach einer Stunde teilte sich der Weg und über eine Brücke führte ein Trampelpfad tief ins Gebirge. Natürlich viel spannender als in das Gammeldorf zurück zu gehen. Und so erklommen wir den Pfad bis hoch auf eine Ebene, auf der ein verwaister Campingplatz lag.

Hier konnten wir unsere Wasservorräte auffüllen und im Schatten ruhen. Nicht weit von uns graste eine Herde wilder Pferde im hohem Gras. Tatsächlich liessen sie sich mit ein paar gesammelten Äpfeln füttern und ein bisschen anfassen. Nach einem Weilchen erklommen wir einen Hügel in der Nähe, von dem aus wir bis zum Tempel und kilometerweit die Schlucht sehen konnten. Als wir unseren Weg in die Tiefen des Gebirges fortsetzen wollten, ergriff uns ein Ranger und wollte von jedem 4€ als Eintritt. Also wieder ab zurück in die Stadt!
Unterwegs kauften wir uns noch was zu futtern und schauten anschliessend bei Arto vorbei. Wir sammelten extra unsere Kochsachen zusammen, die wir mit dem Gepäck hinter der verlassenen Hütte verstaut hatten.
Bei Arto war aber einiges los. Kaum kamen wo an, wurden wir von einem Dutzend feiernden Männern empfangen. Wir mussten essen und trinken und es gab sogar gekochtes Schafsfleisch. Köstlich! Als Arto kam, mussten wir richtig viel Wodka und Wein kippen! Es stellte sich zudem heraus, dass Arto von der Stadt bezahlt wurde die Leute von unserem Platz fernzuhalten, da dieser direkt neben der Wasserversorgung von Eriwan lag. Tatsächlich hatten wir auch ein Pumphaus erspäht. "Aber ihr seid cool, ihr könnt da pennen" meinte ein schwankender Arto und klopfte uns kumpelhaft auf die Schulter.
Nach ein paar weiteren Shots wankten wir zu unserer Hütte und legten uns zur Ruhe.

Am Tag darauf entschieden wir, den Kirschbaum erstmal komplett zu plündern. Till geriet bei der Aktion in die unangenehme Situation, fast von ein paar Einheimischen erwischt zu werden, konnte sich jedoch gerade noch hinter einem grossen Stein verstecken. An den Tag trampten wir 13km weiter ins Kloster Geghard, das auch ein Unesco Weltkulturerbe ist. Der Eintritt war zum Glück frei.


Hallo FreundInnen #5: Armeniens wunderschöne Natur



Zurück zum Tempel liefen wir die vollen 13km, da innerhalb von 100m ca 25 Kirschbäume standen. Jeder verdrückte an die 3kg und 2x wurden uns noch Kirschen von Kirschverkäufern geschenkt. Als wir schließlich ankamen, schauten wir erstmal bei Arto vorbei. Wieder wurde richtig gespachtelt und wir kamen nicht umhin zu fragen, was eigentlich mit seiner Arbeit sei. "Keine Zeit, wir machen Party!"
Auf die Frage ob er jeden Tag Party machte, war die schlichte Antwort JA! Allerdings mussten alle Kinder und Frauen an einem gesonderten Tisch sitzen und alle Arbeit erledigen! Die Armen!

Dieses Mal bekam Till der Alkohol, oder vielleicht das Fleisch, jedoch nicht so gut und die Nacht war Ihm gar unerträglich. Am nächsten Morgen verschwanden wir also ziemlich schnell vom Ort des Geschehens und wollten eine angemessene Distanz zwischen uns und diesem Ort bringen. Da Till eine heftige Magenverstimmung hatte, war der Weg hoch bis zur Bushaltestelle sehr anstrengend. Und kurz bevor der Bus kam, wer fährt da freudestrahlend an uns vorbei? Niemand anderes als Arto. Natürlich haben wir es hier gemocht, antworten wir auf seine Frage, und unser Befinden sei vorzüglich. Nach diesem Schrecken, Arto wiederzusehen nachdem wir seinen Steinbruch in nicht ganz dem originalen Zustand zurück gelassen hatten, konnten wir unsere Rückkehr in die Hauptstadt kaum erwarten.
Dort gingen wir schnurstracks wieder ins selbe Hostel, wo nun ein Mädchen namens Valentina den Laden schmiss. Valentina war viel redefreudiger als die anderen beiden und quartierte uns fix ein. Till verbrachte den Rest des Tages, zu dösen und David skypte mit Tabea. Am nächsten Tag verlängerten wir um eine Nacht, um uns auszukurieren und gingen zur Botschaft, um das unglaubliche wahr werden zu lassen. Wir bekamen unsere VISA!
Erst einmal liessen wir sie in Farbe ausdrucken, um ein paar parat zu haben. Dann machten wir uns Unmengen an Nudelsalat und recherchierten unseren Abgang für den folgenden Tag aus der Stadt.

An jenem Tag nahmen wir einen spottbilligen Bus ein gutes Stück aus der Stadt. Zwischen dem Berg Ararat und dem Gebirge des Nationalparks war eine heisse Ebene, durch die die Schnellstrasse durchführte. Nach einem kurzen Weilchen nahmen uns zwei schräge Typen bis zu einer Tankstelle mit, wollten dann aber, dass wir Ihren Sprit bezahlen. Nene! Also stiegen wir aus und drehten einen mit 14 Oscars prämierten Kurzfilm über das Trampen. Während der Dreharbeiten hielt ein Auto, was die Authentizität ins Unendliche steigerte.


How to tramp



Dieser schöne Wagen fuhr uns 80km weiter und ziemlich schnell fanden wir dort einen dicken Porsche, der uns bis nach Goris fuhr. Unterwegs fuhr der Fahrer noch Rennen und kiffte sich einen. Doch wir kamen wohlbehalten an. Leider hatten wir übersehen dass die einzige Strasse von Goris in den Süden entlang des besetzten Gebietes von Berg Karabach führte. Da wir niemanden mehr fanden, schlugen wir unser Zelt in der Nähe der Strasse auf und warteten auf den kommenden Tag.
Dieser begann erstmal mit einem guten Stück Marsch, da uns an der Stelle zwei Stunden keiner mitnahm. Kaum schritten wir voran, hielt jedoch ein Wagen mit einem Vater und zwei Söhnen. In dem couchartigen Wagen gab David ein kleines Konzert und 20km später stiegen wir aus und gönnten uns an einem Fluss ein kleines Bad.
Till wurde wortwörtlich ein bisschen mitgerissen. Jedenfalls stiegen nicht lange danach zwei erfrischte Tramper in einen schönen Mercedes ein, der bis Goris fuhr. Der Fahrer konnte gut Englisch und erzählte uns einige interessante Sachen aus seinem Land.
In Mehri stellten wir fest, dass wir am Anfang der Stadt waren und diese aus einer Strasse bestand, an deren beiden Seiten Häuser standen. Wir latschten bestimmt 2 Stunden, um wieder rauszukommen aber überraschenderweise hielt ein blauäugiger, blonder Junge an, der uns bis zur iranischen Grenze fuhr. Und das sogar mit Umstieg! :D
Unterwegs passierten wir ein sehr hohes Gebirge während die Sonne unterging. Sehr schön! Als wir uns im Dunklen vor der Grenze einen Schlafplatz suchen wollten, standen wir vor Schwierigkeiten. Eine Einöde vor der Grenze mit verfallenen Hütten und einigen Tankstellen, mehr gab es nicht. Jedoch war weit und breit kein Gras zu sehen und der Boden bestand aus Stein. Schliesslich legten wir uns neben das Dach eines lange geschlossenen Hotels und versuchten, zwischen Müll und Glasscherben unsere Ruhe zu finden. Nach einer Stunde jedoch fing es an, hinter dem nächsten Berg zu blitzen und zu donnern. Wir nahmen unsere Sachen und flohen von diesem unheilvollen Ort. Auf der Suche nach einem besseren Platz durchsuchten wir einige leerstehende Gebäude, wurden aber von einem Schatten mit MG überrascht! "Hey! Was treibt ihr da?!!"
Uff uff, ganz schnell erklärten wir dem Soldaten dass wir nur ne Stelle zum pennen suchten. Und er sucht tatsächlich einfach mit. Zwischen einigen Bergen aus Müll wurden wir schliesslich fündig und erbauten unser Zelt.

Am nächsten Morgen stellten wir drei Dinge fest; erstens war da wirklich ein riesen Haufen Müll, zweitens war es gottverdammt heiss und drittens hatte es über Nacht doch nicht geregnet. Naja, Zelt abbauen und auf zur Grenze. Die armenische Grenze war in einem Wort wirklich arm. Die Infrastruktur glich den verfallen Häusern auf dem Hinweg und das Sicherheitspersonal chillte meistens am Handy rum und kontrollierte unsere Pässe nur so nebenbei.
Kaum, dass wir zur iranischen Grenze kamen, war alles viel moderner und wir kamen auch schnell durch. Da wir extra für den Iran USD abgehoben hatten, tauschten wir gleich mal 50 Dollar in Einheimische Währung um und stellten uns mit 2.000.000 Riad an die Strasse, um zu schauen wie in der Hitze des wüstenartigen Landstriches das Trampen wohl funktioniert.